Wheelchair on tour

Reisen im Rollstuhl: Geht nicht – gibt's nicht

Monat: Juli 2015

Tag 4 in Kopenhagen – kreuz und quer durch Kopenhagen

Ohne Plan durch Kopenhagen

Am letzten Tag in Kopenhagen wollten wir das bessere Wetter genießen und sind einfach kreuz und quer durch die Stadt gefahren, haben noch mal Christianshavn genossen und schon mal den Anfang des Radweges Richtung Berlin ausgekundschaftet.

Dome of visions

Besonders interessant war dabei der dome of visions, der auf dem Platz vor der Bibliothek aufgebaut war. Der Dome of visions ist ein Experiment zum zukünftigen, energieeffizienten Wohnen, auf Basis einer geodätischen Kuppel, auf Basis der Studien von Buckminster Fuller (die Bar vor Ort heißt folgerichtig auch Bucky’s Bar).

Dome of visions in Kopenhagen

Dome of visions in Kopenhagen

Im dome of visions findet man zum Einen Informationen zum Projekt, zum Anderen aber auch mehrere Künstler, denen man bei der Arbeit über die Schulter sehen kann, eine Galerie mit deren Werken, sowie eine gemütliche Sitzecke. Im Obergeschoss war auch noch was, das war aber leider für Rollstuhlfahrer nicht zu erreichen.

Dank Pflanzen an den Außenwänden herrscht im dome of visions ein sehr angenehmes Klima. Wenn so die Zukunft aussieht, bin ich dabei…

Der dome of visions wird vermutlich irgendwann wieder abgebaut, aber solange er noch in Kopenhagen steht, solltet Ihr Euch den nicht entgehen lassen. Das Erdgeschoss funktioniert mit Rollstuhl gut und gibt ein Gefühl, wie wir in Zukunft wohnen könnten.

Tag 3 in Kopenhagen: Christiania und Fahrradreparatur

Auch die Freistadt Christiania wollten wir uns während unseres Kopenhagenbesuchs nicht entgehen lassen. Diese in den 70ern bestimmt mit edlen Zielen gegründete autonome Gemeinde hinterlässt bei uns einen etwas zwiespältigen Eindruck. Offensichtlich sind zuallererst einmal die Touristenmassen, in die wir uns ja brav eingereiht haben. Es fallen aber doch auch die vielen „verlebten“ Gestalten auf, die in Christiania zu sehen sind. So ganz einfach scheint das alternative Leben dem ersten Anschein nach auch nicht zu sein.

Schön sind die teilweise liebevoll gestalteten Häuser, teils mit kleinen Nutz- und Ziergärten:

Häuschen mit Garten in Christiania

Häuschen mit Garten in Christiania

 

Im „Green Light Distict“, in dem weiche Drogen gehandelt werden, waren wir auch (da darf und sollte man aber nicht fotografieren). Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass der Unterschied zum Görlitzer Park oder der Hasenheide für die geübte Berlinerin nicht so erkennbar war, die Sympathieträger hatten wohl gerade frei.

Abgesehen davon hat uns in der gesamten Freistadt das Gefühl nicht losgelassen, dass auch hier hauptsächlich Geld verdient werden muss, sei es mit Fahrradbau, Hippiekitschmärkten oder mit Drogenhandel, aber ich muss zugeben, dass wir uns auch nicht näher mit der Sache beschäftigt haben.

Werbung für Christiania-Aktie

Irgendwoher muss das Geld ja kommen

Raus aus Christiania hat sich erst mal mein Schaltzug verabschiedet, so dass ich das anschließende Stadtbummeln spontan mit einem Fixie absolvieren durfte.

Handbike Schaltzug kaputt

Schaltzugreparatur

Nachmittags war also eine spontane Fahrradreparatur in der Hotellobby angesagt. Hier noch mal ein Lob ans Tivoli-Hotel, das hat keinen weiter aufgeregt, ich weiß nicht, ob das in jedem Hotel so möglich gewesen wäre.

Tag 2 in Kopenhagen: Licht und Schatten im Tivoli

Der Tivoli gehört zum Kopenhagenbesuch, aber…

Urlaub in Kopenhagen, ohne im Tivoli gewesen zu sein geht nicht. Sagen alle. Also wollten wir uns den Vergnügungspark in Kopenhagens Zentrum am zweiten Tag ansehen.

Tivoli in Kopenhagen

Die Preisgestaltung im Tivoli: Sowohl Rollstuhlfahrer als auch Begleitpersonen zahlen den vollen Eintrittspreis, für die Fahrgeschäfte muss man nochmal extra zahlen. Hier würde dann die Begleitperson umsonst mit dürfen.

Fahrgeschäfte? Wir müssen leider draußen bleiben

Karussell im Tivoli Kopenhagen

Wer hoch hinaus will…

Theoretisch, denn wir haben kein einziges Fahrgeschäft gefunden, das von kompletten Rollstuhlfahrern benutzbar gewesen wäre. Wer noch ein wenig laufen kann, darf den Ausgang statt dem Eingang benutzen, um die Warteschlange zu umgehen. Dann den Behindertenausweis sowie das Ticket für die Fahrt beim Personal vorzeigen bzw. abgeben, dann kann es losgehen. Vorsicht: Auch wenn Euch erzählt wird, dass Ihr nur ein paar Schritte laufen können müsst, können die paar Schritte auch eine ziemlich lange Treppe sein.

Treppe im Tivoli Kopenhagen

… sollte ein „paar Schritte“ laufen können

 

Also guckt Euch gut an, ob ihr das hinkriegt, bevor Ihr Tickets kauft!

Barrierefreiheit? Modernes Zeugs

Auch sonst merkt man einfach, dass der Park aus einer Zeit ist, in der Barrierefreiheit kein Thema war. Die Wege im Tivoli sind teilweise recht steil (sogar der zur Behindertentoilette), viele Läden sind nur über Stufen erreichbar. Wenn es

steile Rampe zum Restaurant im Tivoli

Rampe zum Restaurant im Tivoli

Rampen gibt, sind diese so steil, dass man ohne Hilfe keine Chance hat. Es ist natürlich klar, dass man einen historischen Vergnügungspark mitten in der Stadt nicht komplett und für alle zugänglich umbauen kann.

Umso ärgerlicher fanden wir es aber, dass die Begleitperson voll zahlen muss. Sie ist bei Rollstuhlfahrern, die mehr Hilfe benötigen, wirklich gut beschäftigt.

Der Tivoli kann sich trotzdem lohnen

Ansonsten ist im Tivoli eine schöne Atmosphäre und es gibt viel zu gucken in dem wirklich schön gestalteten Park. Besonders abends, wenn es dunkel wird, ist der Tivoli schön beleuchtet.

Abendliche Beleuchtung im Tivoli Kopenhagen

Abendliche Beleuchtung im Tivoli

Gegessen haben wir, nachdem wir die Rampe am Eingang des Restaurants überlebt haben, auch gut (und natürlich enorm teuer). Ihr solltet Euch aber gut überlegen, ob Euch der Tivoli den Eintrittspreis von 99 Dkk wert ist, mehr als gucken und kaufen wird für die meisten nicht drin sein.

Tag 1 in Kopenhagen – Meerjungfrau und Regensachentest

Nachdem der Vormittag noch mit Restgepäck ins Zimmer bringen und Mietwagen abgeben gut gefüllt war, wollten wir nachmittags endlich etwas von Kopenhagen sehen. Das wichtigste zuerst, also machten wir uns auf den Weg zur kleinen Meerjungfrau.

TOP 1: Meerjungfrau

Der Weg ist teilweise ganz hübsch und geht am Wasser lang, teilweise muss man zur Zeit baustellendbedingt auf parallele Straßen ausweichen, eine Beschilderung ist eher spärlich. Vom Hotel muss man allerdings nur am Wasser lang immer geradeaus fahren, da kann man zum Glück nicht so viel falsch machen. Wenn man in die richtige Richtung fährt jedenfalls.

Meerjungfrau mit nasser Reisegruppe

Meerjungfrau mit nasser Reisegruppe

Jungfrau im Regen

Zwischendurch wurde das Wetter wirklich sehr schlecht, wir durften also gleich an Tag 1 unsere Regenausrüstung auf Herz und Nieren prüfen – soweit alles dicht. Zur Jungfrau haben wir es natürlich auch geschafft, sehr hübsch, aber das Wetter…

Überfüllte Fußgängerzone in Kopenhagen

Kopenhagener Fußgängerzone aus Handbikesicht

Auf dem Rückweg haben wir für ein wenig Trockenheit ein Bierchen in einer Kneipe in der Altstadt getrunken und die Wirtin prognostizierte  besseres Wetter zum Wochenende. Würde ja passen,  da geht es los, also hoffen wir das Beste.

Fußgängerzone und Christianshavn

Rosige Aussichten in Christianshavn

Rosige Aussichten in Christianshavn

Den weiteren Rückweg sind wir in Schlangenlinien (nein, nicht wegen des Bieres, um ein bisschen was zu sehen!) durch die Fußgängerzone (hübsch, aber sehr voll) und Christianshavn (auch hübsch, und nicht so voll) zurückgefahren.

Das Hotel in Kopenhagen – ganz schön, aber…

Hotel Tivoli

Buchen und fluchen – der Start ist erstmal schlecht

Gebucht haben wir ein barrierefreies Zimmer im Hotel Tivoli, Schriftzug Tivolinach unseren Recherchen eines der für Kopenhagener Verhältnisse günstigeren Hotels, die barrierefreie Zimmer anbieten. Theoretisch jedenfalls, denn als nach unserer Ankunft die Verwirrung an der Rezeption stieg stellte sich heraus, dass bei der Reservierung die Info, dass wir ein barrierefreies Zimmer gebucht hatten, leider leider verloren gegangen ist. Alle barrierefreien Zimmer waren natürlich ausgebucht… super Start.

Nicht barrierefreies Badezimmer - ging aber für uns

Das Bad im nicht barrierefreien Zimmer

Nach Inspektion des „normalen“ Zimmers beschlossen wir, dass wir auch damit klar kommen, ideal ist das aber sicher nicht. Also lasst Euch bei der Buchung um Himmels Willen bestätigen, dass ein barrierefreies Zimmer reserviert ist, ich konnte auch beim wiederholten Durchlesen des Mailverkehrs nicht herausfinden, wo ich etwas falsch gemacht haben soll.

Ansonsten passt alles

Sonst ist das Tivoli aber ein Hotel, das für Rollstuhlfahrer zu empfehlen ist. Das Personal ist überwiegend hilfsbereit, drängt sich aber nicht auf (das heißt: ab und zu muss man nachfragen). Die Zimmer sind sauber und die barrierefreien Zimmer sind auch geräumig genug.

Das Frühstück, das in unserem Angebot inklusive ist, ist in Ordnung. Frühstück gibt es im riesig großen Kongresssaal als Buffet, trotz der Größe ist die Akustik zum Glück recht angenehm und auch bei vielen Frühstücksgästen wird es nicht zu laut. Das Buffet ist guter Hotelstandard, nichts weltbewegendes, aber jeder sollte was für seinen Start in den Tag finden (zum Glück auch frisches Obst, Müsli, Joghurt und so). An die Sachen, die im oberen Bereich aufgebaut sind, kommt man allerdings nicht ohne Hilfe heran, und diese Hilfe muss man dann auch recht aktiv suchen.

Großer Pluspunkt: die Gepäckaufbewahrung

Eine längere Handbiketour mit eigenem Gepäcktransport bringt halt doch einen Haufen Zeug mit sich, der erst mal untergebracht werden will. Da wir weder das Zimmer mit unseren Handbikes teilen noch die guten Stücke am hoteleigenen Fahrradständer dem Niesel- bis Dauerregen sowie neugierigen Touristen aussetzen wollten, waren wir sehr froh über den riesigen Raum zur Gepäckaufbewahrung, in dem wir die Handbikes lassen konnten.

Der Aufzug: Auf Rekordjagd

Ärgerlich sind die Aufzüge. Vier Aufzüge (eigentlich, einer war offensichtlich defekt) für zwölf Stockwerke bei gut ausgebuchtem Hotel bedeutet zu Stoßzeiten warten. Lange warten. Wenn Du es nicht ändern kannst, mach einen Sport draus: Ich habe gewonnen. 17 Minuten, bis ich zum Frühstück kam. Da wurde dann allerdings schon sehr bald wieder abgebaut. Tja…

Die Anreise: Unspektakulär, unspektakulär

Der Mietwagen: Superb

Am Sonntag habe wir schon den Mietwagen abgeholt, zum Glück sind unsere einzigen Anforderungen ein Automatikgetriebe und genug Platz für das ganze Zeug. Dank einem wirklich engagierten Europcar-Mitarbeiter (nochmal Danke!) haben wir einen Skoda Superb zu einem sehr vernünftigen Preis trotz Auslandsrückgabe gekriegt.

Voll gepacktes Auto

Viel Platz im Skoda Superb

Das Auto stellte sich als gute Wahl heraus, das Platzangebot ist wirklich gigantisch und der Superb fährt sich super. Nur beim Umsetzen aus dem Rollstuhl kriegen große Personen wegen der sehr niedrigen A-Säule Probleme mit dem Kopf, aber für einen Tag kriegt man das hin.

Die Strecke

Weil ich keine Lust auf das Warten und Rangieren mit unbekanntem Auto auf der Fähre hatte, haben wir uns für den Landweg entschieden. Die Strecke ging also von Berlin über Flensburg, Nyborg und Odense nach Kopenhagen.  Dabei benutzt man zwischen Nyborg und Slagelse die Brücke über den großen Belt. Die ist zwar mautpflichtig (nicht wundern, wenn Ihr aus Deutschland kommt, ist die Mautstation auf der anderen Seite), mit ca. 33 Euro aber immer noch billiger als die Fähre. Außerdem ist man flexibler, wenn man nicht die Fähre kriegen muss (und im Stau steht). Und es ist schon ein tolles Gefühl auf einer Brücke übers Meer zu fahren. Die Maut könnt Ihr übrigens in Euro, Dkk oder per Kreditkarte zahlen.

In Kopenhagen

In Kopenhagen fährt es sich trotz unzähliger Baustellen für Berliner Verhältnisse ganz angenehm, alleine schon weil die Dänen einen verwirrten Ausländer auch mal unkonventionell fahren lassen, ohne die Contenance zu verlieren… für Berliner sehr ungewohnt und angenehm.

 

Planung – Der Urlaub beginnt auf dem Sofa

Kopenhagen – Berlin mit Handbike? Selber planen ist angesagt

Der Plan war gut: für einen so beliebten Radweg gibt es doch bestimmt Pauschalreisen, die einem eigene Arbeit ersparen…?

Nachdem sich herausstellte, dass sich kein kommerzieller Anbieter von Radtouren plan-707359_1280die Mühe machen will, die Tour mit barrierefreien Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten, ging es ans selber planen.
Also, erst Strecken mit der richtigen Länge festlegen und die Städte zum Übernachten festlegen. Soweit kann man sich ja noch an den Anbietern orientieren…

Barrierefrei? Lieber genau nachfragen

Dann der spannende Teil: Hotels buchen. Eins steht fest: Nur weil ein Hotel in einem Buchungsportal angekreuzt hat, dass es barrierefreie Zimmer hat, heißt das noch lange nicht, dass man auch mit dem Rollstuhl reinkommt. Besser noch mal nachfragen, ob da wirklich keine Stufen zu bewältigen sind („Nein, nur die fünf vor der Eingangstür…“) und ob die Türbreite zur Rollstuhbreite passt.

Die Tour steht – hoffentlich

Planung Handbiketour Kooenhagen Berlin: manchmal zum Verzweifeln

Planung der Handbiketour: nicht immer einfach

Nach nur wenigen hysterischen Lachanfällen, einem Nachmittag Verzweiflung und einer Tourumplanung waren dann die Hotels aber irgendwann gebucht. Hoffe ich jedenfalls, ob es dann klappt, werden wir ja sehen.
Danach war dann nur noch das Problem des Gepäcktransportes zu lösen, das uns ja eigentlich der Pauschalreisenanbieter abnehmen sollte. Dank technischer Begabung des mitreisenden Schraubers war das aber kein großes Problem: Zwei Fahrradanhänger besorgt, Anhängerkupplung am Rollstuhl befestigt, Probefahrt mit Beladung (Bierkasten), funktioniert.

Anreise? Mietwagen!

Nun die Anreise: Da haben wir uns bequemerweise für einen Mietwagen entschieden, den wir dann in Kopenhagen abgeben können. Bahn oder Flugzeug wären sicher auch gegangen, aber wir haben ja doch eine ganze Menge Gepäck zu bewältigen, da ist ein Auto schon praktischer.

Per Handbike von Kopenhagen nach Berlin

Dieses Jahr soll es mal wieder ein  aktiverer Jahresurlaub werden – also Handbike fahren. Nach längerem Hin- und Her haben wir uns für den bei „Normalradfahrern“ beliebten Fernradweg von Kopenhagen nach Berlin entschieden. Vorteil bei einer solchen Rad-Massentourismusstrecke ist die gute Infrastruktur in Sachen Werkstätten und Unterkünfte – wenn auch nicht unbedingt für Handbike- bzw. Rollstuhlfahrer (mehr dazu unter Planung) und der hoffentlich ordentliche Ausbau der Strecke.

Wir werden nach und nach (je nachdem, wie schnell wir zum Schreiben kommen) die Einzeletappen beschreiben, mit entsprechenden Tipps und Anti-Tipps. Vielleicht fühlt sich ja der Eine oder die Andere zum Nachmachen animiert.

Bei Fragen: Schreibt uns, wir versuchen, Euch weiter zu helfen.

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